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“Was bringt mir die EU?”

Wie ich das liebe: Für eine Gruppe von Vertretern der Gewerkschaft der bayerischen Polizei sollte ich nach dem Willen des Veranstalters einen Vortrag halten unter diesem Titel. In den Augen einiger scheint die Europäische Union nur dann eine Daseinsberechtigung zu haben, wenn sie rundweg alle zu beglücken in der Lage ist und sich am besten in Euro und Cent messbar “auszahlt”. Dieses Denken ist weit verbreitet, selbst Informationsangebote von EU Institutionen scheinen dieser Logik zu folgen – oder wagen es nicht, sich ihr zu entziehen.

Kein politisches Gemeinwesen ist jedoch dazu da, irgend einem Bürger individuell Vorteile zu verschaffen. “Was bringt mir Deutschland?” oder “Was bringt mir Rheinland-Pfalz?” käme uns ja auch etwas seltsam vor. Individuelle Vorteile können immer nur eine Seite der Bilanz sein. Selbst bei klar benennbaren staatlichen Leistungen muss irgendjemand die Zeche zahlen, Verteiltes muss anderen genommen worden sein.

Ein Gemeinwesen und seine Institutionen haben die Aufgabe, öffentlichen Belange besser ordnen, Beziehungen im Interesse aller besser zu gestalten. Da wo Lösungen möglich werden, die anders nicht möglich gewesen wären, da wo negative Konkurrenz und destruktive Konflikte aufgefangen, verregelt und im Interesse aller anders gesteuert werden können, da wo Ordnung an die Stelle von Anarchie tritt – da entfaltet sich der Vorteil einer Veranstaltung wie der EU. Die Union regelt die Beziehungen ihrer Glieder.

Sie sorgt dafür, dass Konflikte entlang klarer Regeln kontinuierlich bearbeitet werden und vermeidet Eskalationen. Sie bietet den Rahmen für grenzüberschreitende Regelungen im Interesse aller Bürger (und auch Unternehmen) sowie für einen starken Auftritt nach Außen. Davon profitieren dann alle. Nur lässt sich dieser Nutzen schwer messen – vor allem, weil die Union Realität ist, eine Welt ohne sie aber nur fiktiv angenommen werden kann.

(Dieser Beitrag erschien beim European Circle.)