Vor fast 12 Jahren hat Russland seinen Krieg gegen die Ukraine begonnen. Und heute vor vier Jahren hat der Kreml erfolglos versucht, das Land komplett einzunehmen und zu unterwerfen, die Demokratie dort zu beseitigen.
Als jemand, der seit Jahren regelmäßig in der Ukraine gewesen ist und Freunde dort hat, ist mir die Willensstärke und Klarheit dieses Volkes immer faszinierend gewesen. Als Janukowitsch auf Moskauer Druck hin Gewalt gegen demonstrierende Studenten eingesetzt hat, kamen Eltern und Großeltern auf den Maidan. So nicht, nicht mit uns! Der Wille, sich nie wieder Russland zu fügen, auf ein Leben in Freiheit und Würde zu bestehen, hat etwas Unheimliches.
Man mag gar nicht darüber nachdenken, wie das Zusammenleben in Deutschland aussähe und was zu hören wäre, wenn wir ohne Wasser, Strom und Heizung ausharren müssten, ohne Aussicht auf ein Ende. Was der Verlust der Heimat, zerrissene Familien und Gefallene bedeuten, ist für uns heute scheinbar weit weg.
Seit der Großinvasion am 24. Februar 2022 ist mehr Zeit vergangen, als die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland gekämpft hat. Eine unfassbare Grausamkeit auch gegen das russische Volk zur Sicherung der Macht einer ruchlosen Clique in Moskau.
Putin hat längst historisch verloren. Vor der Großinvasion gab es im Osten der Ukraine Menschen, die ukrainische Bürger und gleichzeitig Teil der russischen Welt waren. Er hat ihnen eine Wahl aufgezwungen und unfreiwillig die meisten zu leidenschaftlichen Ukrainern gemacht, die Nation gefestigt. Vor vier Jahren hätten weltweit viele nicht sagen können, ob die Ukraine ein Teil Russlands oder ein Nachbarland ist – das wäre nun auch geklärt. Überdies kennt nun jeder in Europa persönlich Ukrainerinnen und Ukrainer.
Trumps Vorstellungen würden den Krieg ganz grausam in die Länge ziehen. Wer meint, die Ukrainer würden sich russischer Kontrolle fügen, hat sie immer noch nicht kennengelernt.
Die Ukraine ist Teil Europas geworden. Und sie wird Teil der künftigen europäischen Sicherheitsordnung sein – nicht als Problem, sondern als Teil der Lösung.
Als Deutscher empfinde ich Scham für unsere Rolle in diesem Drama. Durch völlig sinnfreie Diskussionen haben wir dem Kreml die Zeit verschafft, sich großflächig in der Ukraine festzusetzen. Die Kosten dafür sind leider nicht nur in Geld zu beziffern, sondern auch in Menschenleben.
Das Land mit Rücksicht auf Russland immer nur so zu versorgen, dass es bestehen kann, verlängert den Krieg immer weiter und ist moralisch kaum zu rechtfertigen. Bis heute lassen wir die Ukrainer, auch und gerade die Bevölkerung, für unsere Sicherheit und unsere Freiheit leiden. Die Geschichtsschreibung wird da gnadenlos sein.
Für die Zähigkeit, die Kreativität, die Solidarität, die Willensstärke der Ukrainer empfinde ich große Hochachtung.
Слава Україні – Ruhm der Ukraine!

