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Ich bin Donnersberger!?

Ein Donnersberger ist heute jemand vom Donnersberg oder aus dem gleichnamigen Landkreis. Wer etwas mehr weiß, denkt an ein sprödes, übersichtliches Massiv außerhalb des Pfälzerwaldes, etwas nördlich. Schon keltisch besiedelt, benannt nach dem vorchristlichen Wettergott Donar. Nah bei Rheinhessen, am Übergang zum ehemals preußischen Rheinland. Von Frankfurter Hochhäusern aus bei gutem Wetter zu erkennen. Und früher hieß so auch ein gutes Bier.

Dass „Donnersberger“ einmal etwas ganz anderes bedeutete, ist vergessen. Es war ein politischer Begriff. So nannten sich die Bewohner des französischen Départements du Mont-Tonnerre ab 1798, das Rheinhessen und Teile der Pfalz umfasste. Wer sich aus Überzeugung so nannte, nahm die Demokratie wichtiger als die Idee einer politischen Nation. „Donnersberger“ wurde den national Gesinnten zum Schimpfwort, rückblickend wohl auch für die Mainzer Jakobiner, – fanatische Republikaner, Gegner des Adels und der Kirchen. Deren Mainzer Republik war 1793 von Preußen und Österreichern nach vier Monaten beseitigt worden, ihre Ideen aber waren in der Welt. Als die Region dann Teil Frankreichs wurde, gab es in Mainz die Zeitung „Der Donnersberger“. Bis in Wien Europa neu geordnet wurde.

Das Unbeugsame blieb in der Pfalz erhalten. Man war in Frankreich Bürger gewesen und wollte nun nicht einfach provinziell werden – schon gar nicht bayrisch. In Hambach waren 1832 die meisten Republikaner weiter, nicht mehr Donnersberger. Nicht abgehoben, nicht radikal, nicht missionarisch. Man organisierte ein Volksfest, griff das Einheitsstreben in Deutschland auf. Ganz pfälzisch wurde nicht nur agitiert, sondern gefeiert. Republikanismus war deutsch und massenkompatibel geworden. Keine Machtübernahme, kein Umsturz – sondern Öffentlichkeit, Fahnen, Presse, Mehrheit. Demokratie wurde anschlussfähig: nicht mehr der exklusive Klub, sondern die offene Versammlung. Überaus wirkmächtig – bis hin zu Revolution und Paulskirche. Und dort gab es 1848/49 eine linksrepublikanische Fraktion mit dem Namen „Donnersberg“ (die sich im gleichnamigen Lokal in Frankfurt traf).

Bin ich politisch ein Donnersberger? Jedenfalls kann man heute überzeugter Republikaner sein, ohne sich von Deutschland abzusetzen. Und wenn meine Nation erneut Demokratie, Werte und Freiheit preisgäbe, bräuchte ich als Fluchtpunkt nicht Frankreich. Ich hätte meine inzwischen gemeinsam geschaffene Heimat Europa. Politische Gewalt verachte ich, linker Eifer ist mir fremd. Und auch sonst bin ich von den Lehren geprägt, die aus dem Scheitern von Mainz gezogen wurden. Aber von einem kleinen Massiv, dort, wo es zugig wird; dort, wo man frei ist und frei denkt und den Mut hat, neue Wege zu gehen – von dort komme ich dann doch sehr gerne her.

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Autor

Diplom-Ökonom, Diplom-Politologe, MSc. in European Accounting and Finance Geschäftsführer bei polyspektiv, Vorstandsmitglied bei der EBD Wohnhaft in Berlin und in der Pfalz