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Die AfD lebt von unserer Nervosität

Eigentlich ist die Lage pervers: Die AfD schürt Angst gerade dadurch, dass sie den großen Bruch verspricht. Die Verheißung eines politischen Neuanfangs, jenseits einer als schwach und ungeeignet dargestellten parlamentarischen Demokratie. Wie schon einmal vor hundert Jahren.

Sich demokratisch zu gebärden, also jene aus der Partei zu drängen, die zur Belastung werden, ist für die AfD seit Jahren keine erfolgversprechende Strategie. Dann würde schnell auch für den Letzten sichtbar, dass die CDU die überzeugendere Partei für Konservative ist — und dass die AfD außer der Inszenierung des Ausnahmezustands eigentlich wenig kann.

Also bleibt ihr nur Dramatisierung. So setzt sie Öffentlichkeit und demokratische Institutionen unter Druck. Weil Angst lähmt. Und weil Angst immer die Gefahr selbsterfüllender Prophezeiungen birgt. Die AfD lebt politisch davon, möglichst viele Menschen glauben zu lassen, normale demokratische Verfahren seien der Lage nicht mehr gewachsen.

Natürlich gibt es Herausforderungen. Aber permanente Alarmstimmung lenkt nur vom Erforderlichen ab. Unsere Nervosität, unsere hysterischen Diskussionen, unsere Überreaktionen spielen am Ende das Spiel der AfD.

Als Demokraten dürfen wir uns von diesen Ängsten nicht gefangen nehmen lassen. Wir müssen arbeiten. Regieren. Probleme lösen. Und nur wir sind dazu auch tatsächlich in der Lage. Wir müssen sachlich, vernünftig und selbstbewusst handeln — und der AfD jene politische Bedeutung verweigern, von der sie lebt.

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Autor

Diplom-Ökonom, Diplom-Politologe, MSc. in European Accounting and Finance Geschäftsführer bei polyspektiv, Vorstandsmitglied bei der EBD Wohnhaft in Berlin und in der Pfalz