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Früher war die Zukunft besser

Früher war nicht alles besser. Über die letzten Jahrzehnte gab es immer wieder wirtschaftliche Krisen, internationale Spannungen, soziale Verwerfungen und Bedrohungen der Sicherheit. Wir leben unverändert – historisch und global betrachtet – in einer Zeit großer Freiheit, außergewöhnlichen Wohlstands und hoher Sicherheit.

Der Unterschied zu früher liegt deshalb vielleicht nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft. Vieles, was lange als selbstverständlich galt, erscheint heute offen: die feste Zugehörigkeit zum von den USA geführten Westen, die Selbstverständlichkeit der Demokratie, unsere wirtschaftliche und technologische Überlegenheit. Die Zukunft schien berechenbarer, stabiler und kontrollierbarer.

Kriege, Migration, wirtschaftliche Umbrüche, Klimawandel und die ständige Erregung sozialer Medien erzeugen Überforderung. Wer dauerhaft im Alarmzustand lebt, verändert sich. Angst macht nervös, Nervosität macht ungeduldig. Wer Verluste fürchtet, schaltet in den Krisenmodus: Er hält fest, was er hat, und betrachtet Kompromisse zunehmend als Gefahr. Aus politischen Gegnern werden Gegner schlechthin. Aus unterschiedlichen Interessen werden unüberbrückbare Gegensätze.

Autoritäre Bewegungen greifen genau das auf und verstärken es. Sie bieten einfache Erklärungen, klare Schuldige und schnelle Antworten. Wo Verunsicherung wächst, finden Feindbilder ihren Markt. Politische Wunsch- und Zerrbilder ersetzen jedoch keine Realität. Wer ideologisch argumentiert, leugnet Probleme, statt sie zu lösen. Wer ständig erklärt, alles gehe unaufhaltsam bergab, zerstört den Glauben daran, dass Verbesserungen möglich sind.

Demokratie funktioniert anders. Sie respektiert andere Standpunkte. Sie lebt vom offenen Streit. Sie ist anstrengend – aber lernfähig. Wer gut kritisiert, bessere Ideen entwickelt und die Menschen überzeugt, kann politische Mehrheiten gewinnen.

Zuversicht – also Vertrauen in die eigene Gemeinschaft und ihre Fähigkeit zur Problemlösung – ist deshalb keine Naivität. Sie ist die Voraussetzung dafür, Probleme lösen zu können, und damit eine Voraussetzung der Demokratie selbst.

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Autor

Diplom-Ökonom, Diplom-Politologe, MSc. in European Accounting and Finance Geschäftsführer bei polyspektiv, Vorstandsmitglied bei der EBD Wohnhaft in Berlin und in der Pfalz