Mein Leben – bis jetzt

Breunigweiler (1972 – 1992)

Ich bin in Breunigweiler, einem kleinen Dorf im Donnersbergkreis in Rheinland-Pfalz, aufgewachsen. Nach dem Kindergarten und der Grundschule in Sippersfeld habe ich bis zum Abitur 1991 das Wilhelm-Erb-Gymnasium in Winnweiler besucht. Neben der Schule machte ich eine kirchenmusikalische Ausbildung, spielte in verschiedenen Bands und auch als Alleinunterhalter, schrieb für die Lokalredaktion der Tageszeitung „Die Rheinpfalz„, war für zwei Jahre Schriftführer des Kultur- und Sportvereins Breunigweiler, gehörte der Freiwilligen Feuerwehr an und habe von Adventskonzerten über Karneval, Maifesten und „Kerwe“ alles organisiert, was es im Dorf zu organisieren gab.
Vor allem aber arbeitete ich immer sehr gerne auf dem Bauernhof meiner Familie. Von meinem Vater, der seinerzeit Ortsbürgermeister war, habe ich damals gelernt, dass man verantwortlich ist für das was um einen herum passiert – auch dann, wenn man nichts tut. Nach der Schule habe ich beim Heilpädagogium Schillerhain in Kirchheimbolanden, einem kirchlichen Heim für lernbehinderte und verhaltensauffällige Kinder, meinen Zivildienst abgeleistet.

Potsdam (1992 – 1994)

Ein Jahr vor dem Mauerfall, im Sommer 1988, war ich mit meiner Klasse in Berlin gewesen. Der Aufenthalt hat mich geprägt, mein großes politisches Interesse weiter geschärft und dazu beigetragen, dass ich „Sozialkunde“ als Leistungskurs nehmen sollte und den Zusammenbruch der Ost-West-Konfrontation, die deutsche Vereinigung und die Entstehung des Vertrages von Maastricht intensivst verfolgt habe. Aus der Euphorie über die friedliche Einigung und aus Verzweiflung über den kriegerischen Zerfall Jugoslawiens habe ich beschlossen, neben Ökonomie auch Politik zu studieren.
Ich ging an die Universität Potsdam, um diese unglaubliche Umbruchzeit in den ‚Neuen Ländern‘ aus nächster Nähe mit zu erleben. Nach einiger Zeit war man nicht mehr überrascht, wenn Gebäude aus Gründen des Denkmalschutzes einfach verschwanden, wenn Räume der Universität wegen Restaurierungen für Wochen gesperrt waren, wenn Professoren über Nacht „beurlaubt“ wurden. Und als ich einmal um eine Auskunft bat, lautete die Antwort: „Naja, Sie kommen doch aus dem Westen – was denken Sie, wie sollten wir es machen?“

Gießen-Göteborg-Gießen (1994 – 1997)

Für den Einstieg ins Hauptstudium wählte ich die Justus-Liebig-Universität Gießen. Die Entfernung in meine Heimat erschien mir mit 180 km geradezu ideal – erreichbar am Wochenende, aber weit genug entfernt, um keine ständige Versuchung zu sein. Allerdings langweilte mich Gießen sehr schnell und ich suchte nach Möglichkeiten, ins Ausland zu kommen.
„Wenn Sie sofort zusagen können, hätte ich ab September doch noch einen Studienplatz in Göteborg in Schweden für Sie“ sagte mir die Mitarbeiterin des Erasmus-Büros am Telefon – lange nach der offiziellen Bewerbungsfrist. Und ich hörte mich sagen „Ja, da gehe ich hin…“. Ich brauchte nicht wirklich lange, um Göteborg auf einer Karte zu finden. Ende August 1995 bestieg ich in Kiel die Nordseefähre Stena Scandinavica. Am frühen Morgen war ich auf Deck, als wir das Kattegat verließen und Götaälven, den breiten Fluß der Göteborg durchquert, hinauffuhren. Nachdem wir eine faszinierende Brücke unterquert hatten, tauchte die Stadt aus dem Nebel auf…
Ich hatte nicht wirklich eine Entscheidung für diesen Studienort getroffen, aber die Handelshögskolan (School of Economics and Commercial Law) war unzweifelhaft eine phantastische Wahl. Hinzu kam die herausfordernde Arbeit beim Volvo-Konzern.
Ziemlich genau ein Jahr nach meiner Ankunft bestieg ich wieder die Stena Scandinavica – nun als ein in mancherlei Hinsicht anderer Mensch mit vielen neuen Freunden, eine Menge guter Erinnerungen und Erfahrungen sowie einem ersten Studienabschluss.
Es war nicht wirklich eine Überraschung: Ich mochte Gießen immer noch nicht sehr. Ich beschloss, möglichst schnell mein Wirtschaftsstudium abzuschließen. Daher arbeitete ich intensiv an meiner Diplomarbeit („Zentralbankinterventionen am Devisenmarkt“). Im Juli 1997 nahm ich mein Zeugnis als Diplom-Ökonom entgegen. In Gießen fehlte mir nicht nur der skandinavische Pragmatismus, sondern vor allem auch der Umgang mit Menschen aus anderen Ländern. Daher suchte und fand ich die Gießener Gruppe der europäischen Studentenorganisation AEGEE und meldete mich für eine „Summer University“ in Belgrad und Skopje an. Eine Entwicklung, die mein weiteres Leben massiv prägen sollte. Zwar schrieb ich als frischgebackener Wirtschaftswissenschaftler (mit Doppeldiplom aus Schweden und Deutschland) einige Bewerbungen, aber etwas in mir drängte in eine ganz andere Richtung.

München (1997 – 2002)

Auf einer Versammlung von AEGEE-Aktiven aus ganz Europa im ungarischen Veszprem 1997 wurde ich nicht zuletzt wegen meines etwas vorlauten Auftretens zum Präsidenten der „International Politics Working Group“ des Netzwerks gewählt. Zuerst habe ich mich ernsthaft und aufrichtig gesträubt, ahnte dann aber, dass dies durchaus interessante Erfahrungen versprach. Auf dem Rückweg schrieb ich mich in München für die Fortsetzung meines Politikstudiums ein. Anfänglich verdiente ich mein Geld mit Jobs bei einer Versicherungsgesellschaft und einer Bank, später dann als wissenschaftliche Hilfskraft beim Centrum für angewandte Politikforschung. Mit einer Diplomarbeit zum Thema „Die Europäische Gemeinschaft und der Zerfall der Föderativen Sozialistischen Republik Jugoslawien“ schloss ich im Februar 2000 dmein Politikstudium an der Hochschule für Politik ab.
Nach meinem Rücktritt als Präsident der „International Politics Working Group“ und einer für mich schmerzhaften Niederlage bei den Wahlen zu einer anderen Funktion in Poznan im November 1999 konzentrierte ich meine Aktivitäten bei AEGEE auf die Balkanregion.
Als Seminarleiter des Stipendienprogramms ‚Education for Democracy‘ hatte ich das große Vergnügen, regelmäßig mit einer Gruppe sehr interessanter und intelligenter junger Leute aus Serbien und dem Kosovo zusammen zu kommen. Viele von Ihnen wurden Freunde. Mit dem „Summit of 28“, einem Planspiel über die Entscheidungsfindung in einer erweiterten Europäischen Union, das ich konzipierte, vorbereitete und im Gebäude des Europäischen Parlaments anleitete, schloss ich Ende 2001 vier sehr interessante und lehrreiche Jahre bei AEGEE ab. Gerade weil ich in meiner aktiven Zeit häufig genervt war von „Ehemaligen“, die uns Aktiven immer wieder reinredeten, beschloss ich einen konsequenten Schnitt zu machen und dir Organisation komplett zu verlassen. Für zwei bzw. vier Jahre habe ich allerdings noch in der Arbeitsgruppe Bildungspolitik für Südosteuropa (Grazer Prozess) und in der internationalen Kommission der deutschen Hochschulrektorenkonferenz mitgearbeitet.

Berlin (seit 2003)

Schon immer habe ich mich Berlin, dieser sehr widersprüchlichen und vielfältigen Stadt besonders verbunden gefühlt. Im Januar 2003 bin ich hingezogen. Zunächst war es meine Aufgabe, im April 2003 den ‚Europakonvent‚ zur Arbeit an der Europäischen Verfassung zu organisieren. Außerdem begann ich gemeinsam mit Heidi Ness die Arbeit an einem Planspiel für den Deutschen Bundestag. Dieses haben wir in der Folge regelmäßig erweitert und aktualisiert, außerdem ergaben sich eine Reihe von Folgeprojekten, wie etwa die jährliche Veranstaltung „Jugend und Parlament“, die seit 2004 auf Basis unseres Konzepts als großes Planspiel durchgeführt wird. Aus dieser zunächst freiberuflichen Arbeit entwickelte sich die 2007 gegründete Agentur x3, die heute für eine Vielzahl von Auftraggebern Bildungs- und Fortbildungskonzepte entwickelt. Nach wie vor haben wir viele gute Ideen und die Agentur entwickelt sich wirtschaftlich in sehr erfreulicher Weise.
Noch etwas anderes hat das letzte Jahrzehnt meines Lebens maßgeblich geprägt: Das Netzwerk „Citizens of Europe„. 2002 mit Münchner Freunden gegründet (wohl als Reaktion auf den kompletten Abbruch meiner AEGEE-Aktivitäten, irgendetwas fehlte mir) wurde der Verein über die Jahre zu einem wesentlichen Lebensinhalt. Ein großes Projekt sollte unser Beitrag zum „Europäischen Jahr des Ehrenamtes 2011“ werden, in dessen Rahmen es auch erstmals eine Veranstaltung in meinem pfälzischen Zuhause gab, genauer in Landau. Wissend, dass alles Gute zu Ende gehen muss, habe ich dort meinen Rückzug vom ehrenamtlichen Vorsitz zum zehnjährigen Jubiläum des Vereins 2012 angekündigt. Seither bin ich stolzes ’normales‘ Mitglied.
Eine ganz neue Herausforderung ergab sich mit meiner Wahl in den Vorstand des ‚Netzwerks Europäische Bewegung Deutschland‚. Ich werde mein Bestes geben, um zum gemeinsamen Erfolg beizutragen und bin selbst gespannt auf das, was kommt.

Fortsetzung folgt…