EVP-Kongress in Bonn

Wie ist das so, wenn sich Parteideligierte aus ganz Europa treffen? Wie fühlt es sich an, wenn eine ganze Reihe von Regierungschefs im selben Saal ist? Gibt es so etwas wie das Gefühl, einer gemeinsamen Partei anzugehören? Und wie wirkt sich das aus?

Diese Fragen haben mich so sehr interessiert, dass ich mich auf eine Einladung hin als Gast beim diesjährigen Kongress der Europäischen Volkspartei in Bonn habe registrieren lassen. Weiterlesen…

Lissabon ist in Kraft!

EuropaAll jene, die geglaubt haben, die europäische Integration sei eine Art Unfall des Kalten Kriegs gewesen und im Anschluss käme es notwendig zur Renaissance des Nationalen, sind widerlegt. All jene, die seit Jahrzehnten behauptet haben, in den Bereichen Auswärtiges und Währung sei Integration undenkbar, handele es sich doch um Kernelemente nationaler Souveränität, haben mit dem heutigen Tag die zweite Hälfte ihres Arguments verloren.

Die Europäische Union hat nun nicht nur erfolgreich die ostmitteleuropäischen Transformationsstaaten integriert, stabilisiert und zum Nutzen der alten wie der neuen Mitglieder in den Binnenmarkt eingefügt. Sie hat nun auch die Institutionen, die sie in ihrer neuen Größe nach innen regierbar und nach außen handlungsfähig machen können. Weiterlesen…

Annerschtwo is’s annerscht bloß halt net wie in die Palz!

(Die anonyme Giddarischde)

Blick von Burg Falkenstein (Donnersberg) ins Nordpfälzer Bergland

Blick von Burg Falkenstein (Donnersberg) ins Nordpfälzer Bergland

Warscht du ämol uf de Kalmit, oder uf de Dahnerhöh?
hoscht du emol a’me Herbschdag moins de Newwel steige gseh?
bischt mol barfuß durch die Wies gerennt, oder unner Bäm?
dich bloß hiegeleht die Ache zu un efach bloß geträmt?

Des wär alles nix besonnres sagscht du un du müschtch jetzt geh
weil es gäb außer de Palz jo a noch anneres zu seh
sicher hoscht du recht wonn du sagscht dass ders annerschtwo a gfallt
awwer annerschtwo is annerscht, und halt net wie in de Palz

Warscht im Summer onem Baggerloch, hot dich a Schnog gejuggt?
un du hoscht de liewe lange Daach bloß in die Luft geguggt?
warscht du owens mit me Sunnebrand uf doim Balkon geleh?
un du hoscht beim Sunneunnergang die Schwalbe fliege seh

Des wär alles nix besonnres sagscht du un du müschtch jetzt geh
weil es gäb außer de Palz jo a noch anneres zu seh
sicher hoscht du recht wonn du sagscht dass ders annerschtwo a gfallt
awwer annerschtwo is annerscht, und halt net wie in de Palz

Kennscht du Trippstadt, Herdlingshause, Grienschtadt, Eiseberg un Forscht?
hoscht du emol uf nem Woifscht denne Leid dort zugehorcht?
trinkst du gern emol en Schorle un ischt gern e Lewwerworscht?
gehscht du efters in die Volle un hoscht mehr wie annre Dorscht?

Des wär alles nix besonnres sagscht du un du müschtch jetzt geh
weil es gäb außer de Palz jo a noch anneres zu seh
sicher hoscht du recht wonn du sagscht dass ders annerschtwo a gfallt
awwer annerschtwo is annerscht, und halt net wie in de Palz!

Europawahl 2009: An die Urnen, fertig, los!

Die Wahl des Europäischen Parlaments am 7. Juni spielt auch für die Kommunen eine wichtige Rolle

Oliver Kahn zeigt Initiative. In einemSpot fordert der Ex-Nationaltorhüterdie Menschen mit dem Slogan „Deine Stimme entscheidet“ auf, zur Wahl des Europäischen Parlaments zu gehen. Nötig ist es, denn der Gang zur Urne hat für die Bürger einen hohen Stellenwert. Da es sich um eine Verhältniswahl handelt und somit jeder Berechtigte eine Stimme besitzt, fällt die Auswahl schwer. Denn unter den 31 aufgestellten Parteien befinden sich auch unbekanntere, wie die „Piraten Partei“. Bei der Wahl des Europäischen Par-laments 2004 gewann die CDU im Landkreis Mittweida mit 35,9 Prozent der Stimmen. Schmeichelhaft konnte dies bei einer Wahlbeteiligung von 48,3 Prozent für die Union und die restlichen Parteien dennoch nicht sein. Weiterlesen…

OpenForum on the Western Balkans in Budapest

Open Forum Budapest on 8-10 May 2009 organised by the Hungarian Europe Society and the Germany-based NGO Citizens of Europe focused on the mismatch between the role of the European Union as a “civilizatory” power in the Western Balkans and the public attention in most of the member states. More…

“Let me know that I’m not crazy”

Pavel Turchaninov is an advocate for reform in Belarus. He lives in Minsk, where he works as a freelance translator for various NGOs and business customers, including the United Nations Development Programme. He studied Linguistics at Minsk State Linguistic University and Contemporary European Studies at the University of Sussex, UK.

This interview, conducted by Frank Burgdörfer, took place in association with the Citizens of Europe OpenFora, a group of debates among like-informed, not essentially like-minded, people about issues of contemporary life, business and politics in European societies, including external relations and global affairs.

Read it…

Projekte bis 2007

Projekte ab 2007 finden sich ausschließlich auf den Internetseiten der Agentur x3 und des Vereins Citizens of Europe.

"Training for Europe", Berlin, November 2006, Projekt-Management-Training mit Teilnehmenden aus ganz Europa. Konzeption, Vorbereitung und Durchführung.

"Jugend und Parlament", Berlin, Oktober 2006, Durchführung einer Simulation mit 300 Teilnehmern. Konzept, Vorbereitung, Durchführung. Für den Deutschen Bundestag.

"Bundestagsarena", Info-Angebot des Deutschen Bundestages während der Fußball WM im Juni 2006. Erstellung des Manuskripts und Mitarbeit als Referent.

Der Landtag sind wir!, (2005/2006), Erstellung eines Planspiels für den Bayerischen Landtag im Auftrag des Münchner Centrums für angewandte Politikforschung.

"JugendForumJeunesse", Welschbillig 26. – 28. Nov, 2004, Teilnehmer aus Lothringen, Luxemburg, Wallonie, Saarland, und Rheinland-Pfalz. Konzept, Durchführung.

"Jugend und Parlament"; Berlin, 23. – 26. Okt., 2004, Simulation mit 300 Teilnehmern. Konzept, Vorbereitung, Durchführung. Für den Deutschen Bundestag.

"Ein Tag im Leben", Geschichtenwettbewerb für das Auswärtige Amt, Entwicklung und Programmierung der Online-Plattform.

"Mainzer Jugendkonvent", Landtag Rheinland-Pfalz, Mainz, 28. April 2003, inhaltliche Gestaltung im Auftrag der Mainzer Allgemeinen Zeitung und von R. Müller, MdEP

"Europakonvent junger Bürgerinnen und Bürger", Berlin, 6. – 10. April 2003; Konzeption und Organisation für das Centrum für angewandte Politikforschung (C·A·P)

"Parlamentarische Demokratie spielerisch erfahren", Entwicklung eines Planspiels für den Besucherdienst des Deutschen Bundestages 2002/2003

"Forschungsgruppe Jugend und Europa", Online-Redaktion und Webmastering für eine Forschungsgruppe an der Ludwig-Maximilians-Universität München (seit 2001)

"International Tolerance Network", Online-Redation und Webmastering für ein internationales Projekt der Bertelsmann-Stiftung Gütersloh (seit 2000)

"Jugendparlament für ein erweitertes Europa", Mainz, 14. – 18. September 2002; Website und Online-Dokumentation für die LPB Rheinland-Pfalz

"The European Role in the Israeli-Palestinian Conflict", AEGEE-Konferenz in Hamburg, August 2002, Mitarbeit bei Konzeption und Vorbereitung, Workshop-Moderation

"Jugendkonvent ‚Eine Verfassung für Europa’", Online-Dokumentation für die Saarländische Staatskanzlei, Mai 2002

"Jugendparlament für Europa", Nov. 26-28, 2001 in Berlin; Konzept, Organisation und Dokumentation für die Bundeszentrale für politische Bildung (Bonn)

"Youth for Southeast Europe", Belgrad, November 2001, Training für Jugendaktivisten aus Südosteuropa, organisiert von AEGEE Belgrad und AEGEE Istanbul

"Summit of 28", Brüssel, Oktober 2001, Planspiel zur Entscheidungsfindung in einer erweiterten Europäischen Union, Konzeption, Koordination und Moderation

"Education for Democracy", Stipendienprogramm für Studenten aus Serbien und dem Kosovo; Ko-Initiator; Seminar-Koordinator 2000/01; Webmaster 1999 – 2001

"Quo Vadis Europe", Yearplan Project von AEGEE im Jahr 2001; Ratgeber, Seminarleiter, Moderator bei Veranstaltungen an verschiedenen europ. Universitäten

"International Politics Working Group" von AEGEE, 1998 – 2000: Vorsitzender, Initiator und Koordinator verschiedener Projekte in Europa; Webmaster

"Wie national, wie europäisch denken wir?", Juni 2000, Seminar bei der Akademie für Kommunikation und Information der Bundeswehr in Strausberg

"Borderless Europe", Yearplan Project von AEGEE im Jahr 2000; Ratgeber, Seminarleiter und Moderator bei Veranstaltungen an verschiedenen europ. Universitäten.

"Kosovo – Understanding the Past, Looking Ahead", Konferenz in Budapest im März 2000 & Online-Portal; Initiator, Mit-Koordinator, Webmaster

"BalkanAction", Koordinator von AEGEE-Aktivitäten in Südosteuropa und Webmaster, 1999 – 2001

"Germany & France – Turbulent Past, Conciliatory Present, European Future", Internationale Konferenz in Heidelberg im November 1999, Mit-Initiator, Webmaster

"Peace Academy Project", Yearplan Project von AEGEE im Jahr 1999; Initiator von Veranstaltungen, Seminarleiter und Moderatorr bei verschiedenen Anlässen

"Wars – Destiny of Anatolya", Travelling Summer University mit Teilnehmern aus ganz Europa in der Türkei, Juli 1999, Mit-Initiator, Ratgeber

"Case Study Trip to Yugoslavia II", Reise nach Ljubljana, Zagreb, Skopje & Beograd, Februar/März 1999 mit Studenten aus allen Teilen Europas

"Ten Years of Transition", Konferenzen in Poland, Rumänien, der Slowakei und der Ukraine im Jahr 1999, Mit-Initiator, Ratgeber, Moderator

"Perspectives for the Balkans", Summer University im August 1998 in Belgrad mit Teilnehmern aus allen Teilen Europas, Initiator, Leiter, Webmaster

Meine Geschichte

Breunigweiler (1972 – 92)

Ich bin in einem kleinen Dorf in Rheinland-Pfalz aufge-wachsen. Dort gehört meiner Familie seit Generationen ein Bauernhof und einiges Land.
Nach dem Kindergarten und der Grundschule in Sippersfeld habe ich bis zum Abitur 1991 das Wilhelm-Erb-Gymnasium in Winnweiler besucht. Ich war ein recht guter, aber kein exzellenter Schüler.
Neben der Schule machte ich sehr viel Anderes: Ich lernte verschiedene Instrumente zu spielen, machte eine kirchenmusikalische Aubildung, spielte in verschiedenen Bands und auch als Alleinunterhalter, schrieb für die Lokalredation der Rheinpfalz, war für zwei Jahre Schriftfüher des Kultur- und Sportvereins Breunigweiler.
Vor allem aber arbeitete ich immer sehr gerne auf unserem Hof. Mit viel Freude habe ich bei der Renovierung verschiedener Gebäude mitgewirkt. Und noch viel lieber war ich mit dem Traktor auf unseren Feldern.
Nach der Schule habe ich beim Heilpädagogium Schillerhain in Kirchheimbolanden, einem kirchlichen Heim für lernbehinderte und verhaltensauffällige Kinder, meinen Zivildienst abgeleistet.

Potsdam (1992 – 94)
Auf Potsdam fiel meine Wahl, nachdem ich mir im Sommer 1992 verschiedene Universitäten in Ostdeutschland angesehen hatte. Einer der Gründe hierfür war die Nähe zu Berlin. Vor allem aber ist Potsdam eine wunderbare Stadt zwischen mehreren Seen mit ausgedehnten Parks und schönen, interessanten Palastanlagen.
Potdam war zu dieser Zeit im Umbruch. Nach einiger Zeit war man nicht mehr überrascht, wenn Gebäude aus Gründen des Denkmalschutzes einfach verschwanden, wenn Räume der Universität wegen Restaurierungen für Wochen gesperrt waren, wenn Professoren über Nacht „beurlaubt“ wurden und andere nicht zu den Vorlesungen erschienen, weil Lufthansaflüge aus Hamburg oder Saarbrücken gestrichen worden waren. Und als ich einmal um eine Auskunft bat, lautete die Antwort: „Naja, Sie kommen doch aus dem Westen – was denken Sie, wie sollten wir es machen?“
Es stellte sich als sehr schwierig heraus, in Potsdam eine Unterkunft zu finden. Das erste Jahr über lebte ich in einer „Datsche“ in Teltow – mein erstes „eigenes Haus“! Mit Hilfe einiger Freunde wurde daraus ein schöner Ort zum Leben und Studieren, auch wenn der „santitäre Standard“ eher düftig war….
Im zweiten Jahr bin ich dann in das damals nagelneue Studentendorf Babelsberg gezogen. Direkt auf dem Campus, die S-Bahn-Station mit Zügen alle zehn Minuten nach Potsdam und Berlin vor der Tür sowie Wäldern und Seen in direkter Nachbarschaft – es war ein Traum!
Dennoch fühlte ich mich nach dem Abschluss des Grundstudiums nach einem Wechsel.

Gießen I (1994/95)
Ich wählte die Justus-Liebig-Universität Gießen für die Fortsetzung meines Studiums. Das Studienangebot und die Gebäude der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät waren mir sympatisch, auch persönliche Gründe spielten eine Rolle. Außerdem konnte ich in Marburg als Zweithörer politikwissenschaftliche Veranstaltungen besuchen.
Die Entfernung in meine Heimat erschien mir mit 180 km geradezu ideal – erreichbar am Wochenende, aber weit genug entfernt, um keine ständige Versuchung zu sein. Allerdings langweilte mich Gießen sehr schnell und ich suchte nach Möglichkeiten, ins Ausland zu kommen.

Göteborg (1995/96)
„Wenn Sie sofort zusagen können, hätte ich ab September doch noch einen Studienplatz in Göteborg in Schweden für Sie“ sagte mir die Mitarbeiterin des Erasmus-Büros am Telefon – lange nach der offiziellen Bewerbungsfrist. Und ich hörte mich sagen „Ja, da gehe ich hin…“
Ich brauchte nicht wirklich lange, um Göteborg auf einer Karte zu finden. Und Ende August 1995 bestieg ich in Kiel die Nordseefähre Stena Scandinavica. Am frühen Morgen war ich auf Deck, als wir das Kattegat verließen und Götaälven, den breiten Fluß der Göteborg durchquert, hinauffuhren. Nachdem wir eine faszinierende Brücke unterquert hatten, tauchte die Stadt aus dem Nebel auf…
Ich hatte nicht wirklich eine Entscheidung für diesen Studienort getroffen, aber es war unzweifelhaft eine phantastische Wahl: Handelshögskolan (School of Economics and Commercial Law), eine Einrichtung der Universität Göteborg, befand sich in einem nagelneuen Gebäude, das wenige Wochen später als bestes öffentliches skandinavisches Bauwerk 1995 ausgezeichnet wurde – vollkommen zu Recht! Nachdem ich mich entschieden hatte, nicht nur vier Monate sondern ein ganzes Jahr zu bleiben, wurde mein Leben immer anstrengender: Vorlesungen und Sprachkurse, eine Menge gemeinsamer Unternehmungen mit meinen Kommilitonen aus ganz Europa und dem Rest der Welt, die Mitgliedschaft im Unikorus, dem Universitätschor, später meine Interviews beim Automobilzweig von Volvo und nicht zuletzt die vielen Partys, bei denen man mit gleichzeitig mit südeuropäischer Ausdauer und skandinavischer Intensität zurechtzukommen hatte – es war einer der besten Abschnitte meines bisherigen Lebens!
Am Ende reichte ich dann sogar noch eine Master Thesis ein. Und ziemlich genau ein Jahr nach meiner Ankunft bestieg ich wieder die Stena Scandinavica – nun als ein in mancherlei Hinsicht anderer Mensch mit vielen neuen Freunden, eine Menge guter Erinnerungen und Erfahrungen sowie einem ersten Studienabschluss.

Gießen II (96/97)
Es war nicht wirklich eine Überraschung: Ich mochte Gießen immernoch nicht sehr. Ich beschloß, möglichst schnell mein Wirtschaftsstudium abzuschließen. Daher arbeitete ich intensiv an meiner Diplomarbeit und bereitete mich dann auf die Abschlußprüfungen vor. In meiner freien Zeit war ich wieder zuhause oder besuchte Freunde. Und im Juli 1997 nahm ich mein Zeugnis als Diplom-Ökonom entgegen.
Nach diesem Abschluß galt es zu entscheiden, wie es weiter gehen sollte. Einige Wochen arbeitete ich auf unserem Hof. Im August reiste ich über die Studentenorganisation AEGEE nach Belgrad und Skopje. Und ich schrieb einige wenige Bewerbungen.

München (99-00)
Eigentlich hatte ich immer Politikwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften studieren wollen – auch, um möglichst viele Bereiche der Europäischen Integration verstehen und durchdringen zu können. Und nach einigen Wochen des Zögerns beschloß ich, dieser alten Absicht treu zu bleiben und auch den Abschluß in Politikwissenschaften anzustreben.
Eine andere Entwicklung trug zu dieser Entscheidung bei: Auf einer Versammlung von AEGEE-Aktiven aus ganz Europa im ungarischen Veszprem 1997 wurde ich nicht zuletzt wegen meines etwas vorlauten Auftretens zum Präsidenten der „International Politics Working Group“ des Netzwerks gewählt. Zuerst habe ich mich ernsthaft und aufrichtig gesträubt, ahnte dann aber, dass dies durchaus interessante Erfahrungen versprach und dass es außerdem eine wertvolle Ergänzung zum Politikstudium sein konnte.
Nachdem ich mich über verschiedene Möglichkeiten informiert hatte, beschloß ich nach München zu gehen. Von einem Studienplatzangebot an der Sussex University in England konnte ich aus Kostengründen keinen Gebrauch machen. In München schrieb ich mich am Geschwister-Scholl-Institut für politische Wisschenschaften und an der Hochschule für Politik ein. Anfänglich verdiente ich mein Geld mit Jobs bei einer Versicherungsgesellschaft und einer Bank, später dann als wissenschaftliche Hilfskraft beim Centrum für angewandte Politikforschung. Hier entwickelte und implementierte ich zunächst ein System und neue Abläufe für die Kostenkontrolle der drittmittelfinanzierten Forschungsprojekte. Dabei konnte ich meine Erfahrung aus meiner Zeit bei Volvo sowie Kenntnisse aus meinem Studium in Schweden mit einbringen. Später dann wurde ich auch Assistent des Webmasters am Institut, bei dem ich sehr viel lernen konnte.
Im Juli 1999 schloß ich meine Diplomarbeit mit dem Thema „Die Europäische Gemeinschaft und der Zerfall der Föderativen Sozialistischen Republik Jugoslawien“ ab. Im Februar 2000 erhielt ich das Diplom der Hochschule für Politik München.

Auf Achse… (00-02)
Nach meinem Rücktritt als Präsident der „International Politics Working Group“ und einer für mich schmerzhaften Niederlage bei den Wahlen zu einer anderen Funktion in Poznan im November 1999 konzentrierte ich meine Aktivitäten bei AEGEE auf die Balkanregion. Eines der wichtigsten Projekte war „Kosovo – Understanding the Past, Looking Ahead“. Ich war auch einer der Initiatoren der Stipendienprogramms „Education for Democracy“ (EfD). Gleichzeitig nahm ich als Repräsentant der Organisation an Treffen des Europäischen Jugendforums, an verschiedenen Podiumsdiskussionen und an einer Veranstaltung in Nizza aus Anlass des dortigen EU-Gipfels teil.
Für den EfD-Stipendiaten-Jahrgang 2000/2001 koordinierte ich monatliche Seminare an verschiedenen Orten in Deutschland, Belgien, Polen, Italien und den Niederlanden. So hatte ich das Vergnügen, regelmässig mit einer Gruppe sehr interessanter und intelligenter junger Leute aus Serbien und dem Kosovo zusammen zu kommen. Viele von Ihnen wurden Freunde. Mit dem „Summit of 28“, einem Planspiel über die Entscheidungsfindung in einer erweiterten Europäischen Union, das ich konzipierte, vorbereitete und im Gebäude des Europäischen Parlaments anleitete, schloß ich Ende 2001 vier sehr interessante und lehrreiche Jahre bei AEGEE ab.
Mein Geld verdiente ich mit der Betreuung verschiedener Internetsites, mit der Vorbereitung und Durchführung verschiedener Veranstaltungen und als Sprecher oder Moderator bei Seminaren zu Aspekten der Europäischen Integration.
Außerdem verbrachte ich wieder mehr Zeit in Breunigweiler. Ich richtete mein altes Zimmer auf dem Dachboden im Haus meiner Eltern wieder her und stattete es mit einem großen Schreibtisch und einem neuen Computer aus, um einen schönen und ruhigen Platz zum konzentrierten Arbeiten zu haben.

Berlin (seit 2003)
Schon immer habe ich mich Berlin, dieser sehr widersprüchlichen und vielfältigen Stadt besonders verbunden gefühlt. Im Januar 2003 bin ich hingezogen. Zunächst war es meine Aufgabe, im April 2003 eine große Konferenz zur Arbeit an der Europäischen Verfassung zu organisieren – vor allem deshalb, weil ich sowohl für das Organisatorische als auch für das Inhaltliche verantwortlich war und damit viele eigene Vorstellungen verwirklichen und mit Leuten meiner Wahl zusammenarbeiten konnte.
Außerdem begann ich mit Heidi Ness mit der Entwicklung eines Planspiels für den Besucherdienst des Deutschen Bundestages. Dieses Planspiel haben wir in der Folge regelmässig erweitert und aktualisiert, außerdem ergaben sich eine Reihe von Folgeprojekten. Auch mit der Arbeit für andere Auftraggeber kann ich meinen Lebensunterhalt seither als Freiberufler in der politischen Bildung bestreiten.
Einen Großteil meiner Zeit und Energie nimmt nun schon seit Jahren der Aufbau des Netzwerks Citizens of Europe in Anspruch.
Im Januar 2007 habe ich gemeinsam mit Heidi Ness die Agentur x3 als Rahmen unserer Projektarbeit und als Ausgangsbasis künftiger Vorhaben gegründet.

Fortsetzung folgt…

Mehr Samba, bitte!

Bummel über den Marktplatz der Demokratie.

Ein Marktbummel klingt nach entspanntem Schlendern, verlockenden Gerüchen, bunten Ständen, die zum Verweilen einladen. Ich bin gespannt darauf, was mich auf dem "Marktplatz der Demokratie" erwartet!

Tatsächlich, auf dem Breitscheidplatz vor der Gedächtniskirche sind viele kleine, rot-weiße Marktbuden aufgebaut. Alles sieht ein bisschen chaotisch, aber trotzdem einladend aus. Ich verschaffe mir erst einmal einen Überblick und beginne mit einem Streifzug entlang der Stände. Vereine, die sich für Ausbildungsplätze, Demokratie, Toleranz, Frauen- oder Kinderrechte einsetzen, sind ebenso vertreten wie kleine Delegationen der Bundestagsparteien. Überall gibt es Broschüren. Wer die tatsächlich alle lesen will, hat vermutlich für die nächsten Abende ausgesorgt.

Zentraler Platz

Ich bleibe ich am Stand des Bündnisses „Demokratie jetzt!“ stehen, den Veranstaltern des Marktes. Mal schauen, ob ich hier noch ein paar offene Fragen klären kann. Die Veranstaltung heißt offiziell „Agora – Marktplatz der Demokratie“, was bedeutet das eigentlich? „Die Agora war im antiken Griechenland der zentrale Platz einer Stadt. Dort fanden Märkte und politische Versammlungen statt“, erfahre ich. Das Bündnis will mit der Veranstaltung eine Brücke von der antiken Wiege der Demokratie bis heute schlagen. Schwer beeindruckt verabschiede ich mich und schlendere zum Stand der „Initiative für das Europäische Bürgerbegehren“. Dort steht einsam Frank Burgdörfer und wartet auf „Laufkundschaft“. Großer Andrang herrscht allerdings nicht. „Die Leute sind ziemlich skeptisch. Hier kommen vor allem Touristen vorbei, die sich eher für die Gedächtniskirche interessieren“, bedauert der 35-Jährige.

Zaziki von Tzitzikia

Ein paar Meter weiter entdecke ich einen Stand, vor dem sich eine kleine Menschentraube gebildet hat. Als ich mich nähere, wird mir auch klar, warum: Es gibt kostenloses Fladenbrot mit Zaziki. Auch mein Magen knurrt und so reihe ich mich brav in die Warteschlange ein. Während ich warte, blättere ich eine Broschüre durch. So erfahre ich, dass ich bei „Ta Tzitzikia e.V.“ gelandet bin. Ein Frauennetzwerk, das sich in der Planung, Förderung und Durchführung politischer, kultureller und sozialer Projekte engagiert. Der Verein gehört zu den Initiatoren des Bündnisses „Demokratie jetzt!“ Gestärkt ziehe ich weiter und treffe auf eine kleine Gruppe Jugendlicher, die gerade dabei ist, es sich auf einer Bank bequem zu machen. Ich geselle mich dazu und frage, wie sie von der Veranstaltung erfahren haben. „Wir sind hier nur zufällig gelandet, eigentlich wollten wir zur Gedächtniskirche“, erklärt Lukas Kimmer aus Bischofsheim. Die beiden 17-Jährigen sind sich einig: „Die Idee ist gar nicht übel, aber das meiste hier ist einfach zu theoretisch.“

Samba und Trommeln

Weiter kommen wir mit unserer Unterhaltung nicht, denn plötzlich beginnt eine Sambagruppe auf einer kleinen Bühne in der Mitte des Marktplatzes zu spielen. Die Musiker in den bunten Kleidern entpuppen sich schnell als lautstarker Publikumsmagnet. Selbst zwei schon etwas ältere Damen können sich den rasselnden Rhythmen nicht entziehen und beginnen spontan mit einem kleinen Tanz. Von Theorie kann in diesem Fall wirklich nicht die Rede sein. Trotzdem: Der „Marktplatz der Demokratie“ ist ein Ort, an dem sich viele verschiedene Projekte, Vereine und Initiativen kennenlernen können. Um für Jugendliche interessant zu werden, hätte es mehr Möglichkeiten zum Mitmachen und Ausprobieren geben müssen. Eine offene Diskussion, Vorträge, Film- oder Theaterbeiträge hätten der Veranstaltung sicher noch ein wenig mehr Spannung verleihen können. Die Sambaband ist prima – von rhythmischen Trommelschlägen begleitet tänzele ich zurück zur U-Bahn-Station.

Kristin Ofer, 18 Jahre, Abiturientin aus Speyer

Quelle: Schekker

Rücken an Rücken

Die Europäische Union steckt in Schwierigkeiten. In Genshagen attestierte man auf einer Tagung mangelndes Zugehörigkeitsgefühl

Von Jan Kixmüller

Wenn sich Deutsche, Franzosen, Polen und Tschechen, Wissenschaftler, Politiker, Lehrer und Schüler im Herbst 2006 im gediegenen Schloss Genshagen treffen, um über Europas Identität nachzudenken, sprechen sie über eine Krise. Europa stecke in Schwierigkeiten, war unlängst auf einem Symposium der Stiftung Genshagen aus vielerlei Mund zu hören. Nicht nur eine schlaffe, defensive Wirtschaft und das Scheitern einer gemeinsamen Verfassung wurden bemängelt. Vor allem gebe es ein Problem mit dem Gefühl der Zugehörigkeit unter den EU-Bürgern.

Der Historiker Prof. Rudolf von Thadden, Doyen der Genshagener Stiftung, die sich um das Dreieck Deutschland – Polen – Frankreich verdingt macht, brachte mit Verweis auf Habermas die wesentlichen Probleme der Europäischen Union auf den Punkt: Nach wie vor gebe es keine europäische Öffentlichkeit, keine gemeinsame Außenpolitik, kein gutes Verhältnis zwischen Politik und Markt und schließlich keine gemeinsame Einwanderungspolitik. Wichtigste Konsequenz für von Thadden: Die Integrationspolitik muss ernster genommen werden. Denn in Zukunft würden in der Union immer mehr Menschen neben ihrer Identität auch noch mehrere Zugehörigkeiten haben. So wie einst die Mitbegründerin der Genshagener Stiftung Brigitte Sauzay sagte, sie habe eine französische Identität und eine deutsche Zugehörigkeit.

Prof. Jan Sokol, Dekan der Humanwissenschaften der Prager Karls-Universität, versicherte in Genshagen, schon seit seiner Kindheit nie an seiner europäischen Zugehörigkeit gezweifelt zu haben. Auch wenn die Kriege und der Sozialismus in seiner Heimat Europa immer einen Aufschub gegeben hätten. Heute nun liest er die Sprüche im Spiegelsaal des Brandenburger Schlossgebäudes und sieht hier einen historischen Einfluss, der uns nach wie vor formt. „Das Wort geht aus einem Munde, aber in tausend Ohren“ steht dort beispielsweise unter der Decke. Was sich mit Sokols Forderung einer gemeinsamen Sprache verbindet – einem Fundament auf dem sich alte und neue Europäer miteinander verständigen können.

Der Tscheche Sokol ist dann auch nicht ganz so pessimistisch wie seine Kollegen aus dem alten Europa. Für ihn ist Europa ein Erfolg der Politik im 20. Jahrhundert. 1930 hätte niemand gedacht, dass die Europäer – gerade etwa Deutsche, Franzosen und Polen – Anfang des 21. Jahrhunderts in einem Schloss nahe Potsdam zur gemeinsamen, friedlichen Aussprache zusammenkommen sollten. Das gemeinsame Gefühl der Zugehörigkeit entstehe allerdings nicht von selbst. „Es muss konstruiert werden“, so Sokol. „Es handelt sich um eine fortbestehende, ständige Aufgabe, die nie vollkommen ist, die jeden Tag neu erarbeitet werden muss“, erklärt der Tscheche. „Wir brauchen eine europäische Erziehung, ein gemeinsames Bildungssystem“. Die größte Erfindung Europas sei in der Vergangenheit die Wissenschaft gewesen, die Pflege der Neugier. Heute aber würden die Schulen meist die Neugier abschaffen und für Langweile sorgen.

Den Mangel an Gemeinschaftlichkeiten machte Sokol an der deutsch-polnischen Grenze deutlich. In Görlitz etwa würden sich die Einwohner an Dresden oder Berlin orientieren, auf der anderen Oder-Seite an Warschau. „Das ist eine Nachbarschaft Rücken an Rücken“, konstatierte der Tscheche. Er plädierte gegen ein Ausrichtung auf Zentren und für eine Nachbarschaft auf „Grass-root-level“, eine Bewegung „von unten, also im Sinne der Graswurzelbewegung“. Hier pflichtete ihm Prof. Phillipe Herzog, Vorsitzender von „Confrontations Europe“, bei. Europa sei für viele Europäer heute noch zu weit entfernt. „Aber nicht Brüssel sondern die einzelnen Bürger müssen das Projekt Europa entwickeln.“

In der Diskussion mahnten mehrere Anwesende die Bewahrung der Vielfalt und Pluralität in Europa an. „Wir müssen Vielfalt positiv leben, mit der Komplexität leben und uns hier zugehörig fühlen, nur dann kann es eine Loyalität der Bürger gegenüber Europa geben“, sagte Frank Burgdörfer von „Citizens of Europe“. Man müsse eine europäische Identität herstellen, damit sich die Menschen von Europa betroffen fühlen. „Aber das wird sicher noch Jahrzehnte dauern“, so der junge Europa-Enthusiast Burgdörfer.

„Europa steckt in Schwierigkeiten, die überwunden werden können“, stellte Philippe Herzog fest. Man nahm ihn in Genshagen beim Wort. In der Pause fand sich in den Grüppchen schnell eine gemeinsame Sprache – hier Englisch, da Deutsch, dort wiederum Französisch. Wie hatte der Tscheche Jan Sokol doch zuvor sehr hart geurteilt: „Ein Europäer der nur seine Muttersprache spricht, ist nur ein halber Europäer.“

Quelle: Tagesspiegel

Seite 9 von 9« Neueste...56789