Eindrücke vom Evangelischen Kirchentag

Wenn vom Gendarmenmarkt die Trompeten von Jericho herüberhallen, sich im Feierabendverkehr drumherum aber dennoch einfach nichts bewegen will;

wenn am Informationsstand der EU einen Pastor aus Nordelbien die Frage umtreibt, was wohl Luther zur Europäischen Einigung gesagt hätte, bevor ein Eberswalder mit Kirchentagsschal und AfD Button davon überzeugen will, dass Jesu Aufforderung zur Nächstenliebe nicht für Tschetschenen gelte, die von ehrlosen polnischen Taxifahrern an die Oder gebracht worden seien, bevor ein fränkisches Seniorenpaar (Religionslehrer?) intensiv zu reflektieren beliebt, wie sich die Europäische Grundrechtecharta zur Theologie Bonnhöfers und zu Luthers Freiheit eines Christenmenschen verhalte;

wenn subjektiv in Massen 15jährige mit Brille und Dutt (Typ Geigenschülerin, aber ohne Geige) ihre seelig grinsenden Väter am orangen Schal hinter sich herschleifen, während die mürrisch dreinblickenden Mamas versuchen den Anschluss zu behalten ohne dabei die apathisch mit Blick aufs Mobiltelefon hinterherschlurfenden Söhne aus den Augen zu verlieren;

wenn am Stand des evangelischen Kirchenkreises Neukölln katholische Nonnen vegane bengalische Linsensuppe reichen, ebenfalls anwesende Türkinnen dazu aber dringend Sucuk und Ayran empfehlen;

wenn in der hessischen Landesvertretung gelehrt über Vielfalt debattiert wird, während nebenan bei den Rheinland-Pfälzern alle Generationen zu rheinhessischem Rap in den Kniekehlen wippen, bevor ein Speyerer Pfarrer mit einem Glas Wein in der Hand Luthers Abendsegen spricht, nicht ohne zuvor noch darauf hingewiesen zu haben, dass alle eingeladen seien, in der Pfalz weiterzuwippen;

DANN ist evengelischer Kirchentag in Berlin. Als Sozialstudie der Bundesrepublik Deutschland des Jahres 2017 unschlagbar.

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