„Brexit“-Votum! Gedanken am Tag danach

Brexit1. Der Mensch muss den Umgang mit sozialen Medien erst noch lernen. Sie schaffen ein Klima, in dem Gruppen sich irrational von Stimmungen treiben lassen, wie früher bei Massenveranstaltungen.

2. Zumindest so lange wir 1. nicht bewältigt haben, halte ich Volksabstimmungen auf nationaler Ebene in komplexen Fragen für ein ungeeignetes Mittel der Entscheidungsfindung.

3. Die EU ist zu sehr zum Projekt einer ökonomisch starken Elite geworden und wird von Schwächeren primär als Bedrohung wahrgenommen. Das darf so nicht bleiben.

4. David Cameron hat sich aus Gründen des persönlichen Vorankommens und des parteipolitischen Kalküls in unverantwortlicher Weise mit anti-europäischen Anwandlungen zu profilieren versucht. Als ihm spät schwante, was er anrichtet, hat er die Seiten gewechselt, konnte aber nichts mehr ausrichten. Er wird als Musterbeispiel eines Vertreters einer abgehobenen politischen Kaste in die Geschichte eingehen, der sein Land durch Inkompetenz in eine tiefe Krise gestürzt und wahrscheinlich zerlegt haben wird.

5. Die einzige Chance, die britische Gesellschaft zu versöhnen, wird darin bestehen, die politische Zugehörigkeit zur EU vollständig aufzulösen und gleichzeitig die ökonomische Einbindung in den Binnenmarkt zu erhalten. Großbritannien (korrekter: was davon übrig bleibt) wird einen Status haben, in dem es (so wie Norwegen) bei ökonomischer und rechtlicher Abhängigkeit vom Binnenmarkt zu Gunsten symbolischer „Unabhängigkeit“ auf politischen Einfluss verzichtet.
Der große europäische Vorteil könnte werden, dass es endlich vorbei ist mit den ewigen britischen Extrawürsten. Europa kann vorangehen, die englische Regierung demonstriert bei jährlichen EU-England Gipfeln ihre weltpolitische (Ir-)Relevanz und übernimmt im Alltag ohne Mucken EU-Recht. Wenn es das ist, was England und Wales zum eigenen Wohlbefinden brauchen, sollen sie es bekommen.

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