15. 09. 2012
Karlsruhe. Veranstaltungssaal des Regierungspräsidiums. Auf der Tagesordnung einer gemeinsamen Veranstaltung des Europa-Informationszentrums und der örtlichen Europa Union steht das Thema „Entscheidungsprozesse in der EU: Wo bleibt der Bürger?“ Als erster Redner bemühe ich mich herauszuarbeiten, dass hinter vielem, was der EU als Demokratiedefizit angekreidet wird, in Wahrheit ein Erfolgsfaktor der Europäischen Union in ihrer bisherigen Form steckt. Dass ohne Vertraulichkeit keine Kompromisse möglich sind, dass Zugeständnisse unter nationalen Entscheidungsträgern gravierend erleichtert werden, wenn keinem ein Gesichtsverlust droht. Dass im Gegensatz dazu repräsentative Demokratie klare Positionen und Mut zum Streit braucht, damit Bürger mit unterschiedlicher Meinung sich identifizieren können und im Diskurs wiederfinden. Dass diesem demokratischen Streit heute eher eingeübte Verhaltensweisen als strukturelle Mängel und undemokratische Regelungen im Wege stehen. Ich bemühe mich um Anschaulichkeit.
Aus dem Publikum schlägt mir blanker Hass entgegen. Menschen wie ich, die die Kanzlerin und den französischen Präsidenten der Unaufrichtigkeit ziehen (mit der Behauptung, sie würden streiten aber es nicht zugeben), die behaupteten, eine demokratischere Union brauche auch frechere Abgeordnete (dabei gäben doch alle ihr Bestes und seien so ehrenwerte Menschen) und die alles nüchtern zerredeten, den Finger in jede Wunde legten und jedes Problem auflisteten (anstatt Begeisterung zu wecken) seien Schuld daran, dass „nur noch 31 % an Europa glauben“ belehrt mich ein älterer Herr. » weiterlesen »